Rohstoff Erdöl

Der Rohstoff Erdöl ist in so vielen Produkten enthalten, dass ein Alltag ohne ihn fast nicht möglich ist. Es wird damit Strom erzeugt, er ist in fast allen Transportmitteln als Treibstoff enthalten, er ist die Basis vieler Kunststoffe und Farben, er steckt in Medikamenten und kosmetischen Artikeln, die Industrie wäre ohne Erdöl wirklich aufgeschmissen. Doch in andren Teilen der Erde ist das was für unsere Gesellschaft dringend gebraucht wird, Anlass für schlimme Streite und nicht zuletzt für Umweltverschmutzungen.

Seit Jahrtausenden wird Erdöl verwendet

Den Rohstoff Erdöl nutzten schon unsere Vorfahren vor Tausenden von Jahren. Als Dichtungsmaterial für Boote oder als Befestigungsmaterial für Pfeilspitzen der Steinzeitjäger wurde die zähe Masse, die schwarz aus der Erde quoll und manchmal auch Pech oder Teer genannt wird, von unseren Ahnen im Alltag genutzt. Auch im Krieg fand das Bitumen seine Verwendung, als die Krieger ihre Pfeile damit bestrichen und angezündet mächtige Flammenmeere im gegnerischen Lager damit entfachten. Im alten Griechenland wurden Flammenwerfer damit gebaut, die große Verwüstung anrichteten.

Die ersten Bohrungen nach Erdöl vermutet man in China vor fast 2000 Jahren.

Erdöl als Lampenbrennstoff

Im 19. Jahrhundert suchte man eine Alternative für den bisherigen Lampenbrennstoff, denn damals benutzte man oft Walöl, das aber zu kostenintensiv war, oder Talgkerzen, die wegen ihres Geruchs eher unangenehm waren, oder Gas, das nur in modernen Häusern zur Verfügung stand. Der neue Lampenbrennstoff sollte billig und dennoch gut sein. Abraham Gesner, ein Arzt und Geologe aus Kanada, entwickelte eine Technik, wie man den sauber brennenden Lampenbrennstoff Petroleum, welchen man auch oft Steinöl oder Kerosin nennt, aus Kohle herstellen kann. Das war schon eine gute Alternative, bis sich zeigte, dass Erdöl als Rohstoff für Petroleum noch günstiger und Profit bringender war. Damit kam Walöl für die Füllung von Lampen nicht mehr infrage und der Bedarf an Erdöl stieg in die Höhe.

Bevor man überhaupt nach Erdöl bohrte, bemerkte man, dass auf der Suche nach Salz und Wasser gelegentlich Erdöl in die Bohrlöcher gelangte daraus entstand der Versuch, direkt nach Erdöl zu bohren. Was seit dem 19. Jahrhundert am Kaspischen Meer bei Aaserbaidschan, dem früheren Baku, auch getan wird. Die genaue Datierung der ersten industriellen Ölbohrung der Welt wird zwischen 1844 und 1849 angesetzt, genaues ist nicht aufgezeichnet.

In Deutschland wurde 1858 in der Nähe von Celle, genauer in Wietze in Niedersachsen gebohrt, 1859 ging die Bohrung von Edwin L. Drake am Oil Creek in Pennsylvania in die Weltgeschichte ein, da in nur 21,2 Metern Tiefe die erste amerikanische Erdölquelle gefunden wurde. Der Goldrausch wurde damit vom Öl-Boom abgelöst. In Österreich bohrte man 1930 im Wiener Becken nach Erdöl und fand in 729 m Tiefe welches. Diese Quelle kam aber schnell zum Erliegen und speite bald nur noch Gas und Wasser.

Der Hauptnutzen von Erdöl war bis 1920 die Verwendung als Lampen Brennstoff, doch dann wurde das Automobil erfunden und das Erdöl diente diesem als Treibstoff.

Verwendungen des Rohöls

Aus mehr als 500 verschiedenen Bestandteilen ist das Rohöl zusammengesetzt, das hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffen besteht. Diese verschiedenen Stoffe haben unterschiedliche Siedepunkte, welche in Raffinerien durch Destillation herausgefiltert werden. Nach der Erhitzung des Rohöls auf ca. 400 Grad strömt der dabei entstehende Dampf in einen Destillationsturm, in dem in einer Kolonne verschiedene Ebenen mit Glockenböden unterschiedlicher Temperatur aufgereiht sind. Die Ebenen werden nach oben hin immer kühler, wodurch sich das Stoffgemisch vom Rohöl trennt. Je nach dem Siedepunkt kondensieren die jeweiligen Stoffe. Das wären bei Heizöl und Diesel ca. 360 Grad Celsius, beim Mitteldestillat Petroleum und Kerosin sind es ca. 250 Grad, beim Leichtbenzin noch ca. 100 Grad Celsius und bei 30 bis 50 Grad Celsius verbleiben dann noch die Gase Ethan, Methan, Propan und Butan. Grundbausteine für bestimmte Kunststoffe und Erdölprodukte werden in einem gesonderten Destillationsverfahren aus Teilen des Leichtbenzins und den verschiedenen Gasen gewonnen.

Wir finden fast keinen Gegenstand in unserem Alltag, in dem kein Bestandteil des Erdöls steckt.

Was wird aus Erdöl hergestellt?

Dadurch, dass Erdöl als Energiequelle für Heizungen, zur Stromerzeugung und als Brennstoff für Autos und Flugzeuge verwendet wird, landet fast zwei Drittel davon wieder in unserer Umgebungsluft. Im Alltag sehen wir Erdöl nicht, aber es steckt in mehr Produkten, als wir vermuten, zum Beispiel ist es als PVC (Polyvinylchlorid)in Fußböden, Fensterrahmen und Schläuchen im Medizinbereich, als Polyurethan in Form von Schaumstoff in Matratzen und Polstermöbeln sowie als Polystyrol in Styropor-Verpackungen und den kleinen Styroporchips. Der Stoff Polyethylen ist in jeder Tupperdose, Gießkanne, Eimer und Gehäusen für Fernseher und Radio vorhanden. Polyamid ist die Synthetik Faser, aus der unsere Nylonstrumpfhosen bestehen, und Ethylenoxid ist der Grundbaustoff für manches Reinigungs- und Waschmittel.

Der Rohstoff Erdöl ist also in abgewandelter Form ständig um uns herum. Doch was wird sein, wenn die Erdölvorräte verbraucht sind?

 

Heike Leonhardt Verfasst von:

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