Tiere in der Stadt

Selbst Wildtiere wie der Waschbär verirren sich immer öfter in die Stadtgebiete. In großen Städten sind die heimischen Tierarten schon sehr vielfältig, was eine Durchschnittsmenge von 10.000 Tierarten in manchen Metropolen deutlich zeigt. Davon sind es allein 150 unterschiedliche Brutvogelarten, die inzwischen lieber in Städten wohnen als in der freien Natur. Warum siedeln so viele Tiere in die Städte um?

Raus aus dem Wald

Einer der Hauptgründe, warum immer mehr Tiere den Weg in die Stadt suchen und dort ihren neuen Lebensraum einnehmen, ist das vielfältige Futterangebot, das sie hier finden. In den Städten wird so viel weggeworfen, was Tiere nicht verschmähen sondern gerne fressen, und das finden Artgenossen wie der Fuchs, der Waschbär und der Mauersegler in gut zugänglichen Mülltonnen und offen herumliegend. Die Futterbedingungen sind für die Tiere in der Stadt meist viel besser als in der freien Wildbahn, wo landwirtschaftliche Veränderungen oder Anbau von Monokulturen verhindern, dass die Tiere das zu fressen finden, was sie eigentlich benötigen. Zudem zerstört der Mensch immer größere Flächen, den die Tiere nicht mehr als Lebensraum nutzen können, entweder sind die Felder überdüngt, oder neue Straßen und Städte verdrängen die Tiere.

Das Gebiet, in denen die Tiere ihr Futter bisher fanden, wird demnach immer kleiner.

Tiere die bei uns leben

Hinein in die Stadt

Das Futterangebot in Großstädten ist so vielfältig, dass selbst Wildtiere genug Nahrung finden, und offene Mülltonnen nur noch ausgeräumt oder durchwühlt werden müssen, um sich satt zu fressen. In manchen Städten müssen die Mülleimer sogar zum Schutz vor den Waschbären verschlossen werden. Zusätzlich bietet der Mensch den Tieren noch Futter an, wie zum Beispiel den Vögeln, die sich auch im Winter keine Sorgen mehr machen müssen, zu wenig Nahrung zu bekommen, da es immer jemanden gibt, der sie füttert. Auch die Möglichkeit, irgendwo Unterschlupf zu finden, ist für die Tiere in der Stadt gegeben. In vielen Parks oder großen Gartenanlagen verstecken sich Kaninchen und Füchse. Natürliche Feinde gibt es hier kaum, und wenn die Besucher der Stadtparks ein süßes Kaninchen sehen, wird es zusätzlich gefüttert und die Hundebesitzer halten ihre Tiere davon ab, die flinken Gesellen zu jagen. In Gefahr sind Kaninchen nur, wenn sie eine zu große Population bilden, erst dann muss der Jäger einschreiten. Selbst Wildschweine halten sich in Randgebieten der Städte immer öfter auf, wo sie sich mit den anderen Tieren wie Füchse, Tauben, Kaninchen und Ratten glücklich schätzen, so nah an guten Futterquellen zu wohnen. Selbst eisige Winter können den Tieren in der Stadt nicht mehr so viel anheben, wie wenn sie in der freien Wildbahn leben würden.

In Städten herrscht immer ein etwas wärmeres Klima und wind- und schneegeschützte Plätze sind gut zu finden.

Tiere in Stadtnähe

Brachen – unbestellte Grundstücke

Da in vielen Großstädten immer wieder Abschnitte zu finden sind, die weder bebaut noch landwirtschaftlich genutzt werden, die so genannten Brachen, kann man Tiere sogar mitten in der Stadt finden. Sie kommen aus den Wiesen, Feldern und Wäldern über Brachen, die eine Stadt wie zum Beispiel Berlin sternförmig durchziehen, zu all den schönen grünen Stellen, die es mitten in der Stadt gibt und lassen sich dort nieder. So ist es nicht verwunderlich, wenn einem ein Tier, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hat, sogar in der Stadt begegnet.

Das Verhalten der Tiere ändert sich

Die Tiere, die in der Stadt wohnen, müssen sich den Lebensbedingungen dort anpassen, was sich deutlich darin zeigt, dass die meisten normalerweise sehr scheuen Tiere, keine Angst mehr vor Menschen haben und sich ohne Problem in deren Nähe wagen. Problematisch wird es oft für die Generation, die in der Stadt geboren wird, da ihnen ein Leben in freier Wildbahn nicht mehr möglich sein wird. Sie haben kein natürliches Jagdverhalten mehr und könnten in normalen Lebensräumen gar nicht mehr überleben und sich auch gegen ihre Fressfeinden nicht mehr wehren. Würde man sie in freier Wildbahn aussetzen, wären sie völlig überfordert und würden entweder getötet oder wären am nächsten Tag wieder in der Stadt zu finden, wo sie vorher waren. Die Anpassung der Singvögel an das Stadtleben kann man insofern beobachten, als sie ihr Singverhalten dem Stadtleben immer mehr anpassen.

Entweder sie pfeifen schon Melodien nach, die sie von Handys gelernt haben oder aber, wie Forscher herausgefunden haben, sie zwitschern lauter und schriller, um den Lärm zu übertönen, der in der Stadt herrscht.

Nicht nur einheimische Tiere

Dass Tiere wie Waschbären in die Städte gelangt sind, liegt daran, dass man solche Exotischen Tierarten manchmal aussetzt oder dass sie irgendwo ausreißen und sich dann in der Stadt einen Lebensraum schaffen und sich weiter vermehren. So wie das bei den Waschbären geschehen ist, die in den 1930er Jahren in Deutschland ausgesetzt wurden und sich jahrzehntelang weitervermehrt haben, sodass sie in manchen Gebieten regelrecht eine Plage geworden sind. Ursprünglich stammen Waschbären aus Nordamerika und hätten sicher nicht auf natürlichem Weg ihren Platz in Europa gefunden.

Die Bedingungen hier und das fantastische Futterangebot sorgen dafür, dass sie sich hier wohlfühlen.

 

Heike Leonhardt Verfasst von:

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