Wikileaks – Enthüllungen

Über Wikileaks gibt es viele Ansichten, ob es nun positive Aufklärungsarbeit ist, die schon lange nötig war, oder ob Verräter des Landes diese Plattform nutzen, um jemanden anzuschwärzen. Auf jeden Fall missfällt die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten den Regierungsmitarbeitern, den Militärregimes und vielen Unternehmen, die dadurch vor der gesamten Öffentlichkeit an den Pranger gestellt werden.

Wikileaks – wer ist der Gründer?

Wer der tatsächliche Gründer der Organisation Wikileaks ist, die sich der Veröffentlichung geheimer Dokumente und Tatsachen verschrieben hat, ist bis heute noch unklar. Im Netz findet man verschiedene Angaben darüber, die sich zwischen einer Gründung durch Systemkritiker aus China oder Taiwan über amerikanische IT-Experten bis hin zu Hackern aus Island zieht. Die erste Veröffentlichung der im Oktober 2006 ans Netz gegangenen Plattform war ein Brief von Hassan Dahir Aweis. Der somalische Islamist stachelt darin zu Attentaten gegen Mitglieder der Regierung an. Über die wahre Herkunft des Briefes herrscht noch Ungewissheit, weswegen die Leser dazu aufgefordert wurden, die Echtheit des Dokumentes zu überprüfen. Da niemand das bis heute geschafft hat, bleibt noch immer die Frage, ob der Brief wirklich von Aweis stammt. Der oberste Grundsatz von Wikileaks ist das Versprechen, dass die Whistleblower, die ihre Informationen an die Plattform weitergeben, ihre Anonymität bewahren. Meist sind es Menschen, die bei der Regierung, beim Militär oder bei Großunternehmen arbeiten und Zugang zu geheimen Informationen haben, für deren Veröffentlichung ihnen Strafe drohen könnte.

Woher die aufdeckenden Informationen kommen, ist zum Großteil nicht einmal den Wikileaks-Machern bekannt, weil eine Verschlüsselung die Kommunikation sichert.

Geheime-Akten-Enthüllung

Julian Assange, ein Sprecher von Wikileaks

Die Aussage Wikileaks sei „ ein unzensierbares System für die massenhafte, nicht zurückverfolgbare Verbreitung von geheimen Dokumenten“ traf Julian Assange. Dieser tritt seit 2007 als Sprecher für die Plattform vor die Journalisten und ist einer der wenigen Gesichter hinter Wikileaks, die zumeist unerkannt bleiben. Wichtig ist den Betreibern der Plattform die Meinungs- und Informationsfreiheit ebenso wie die Transparenz und Demokratie. Rufen die Betreiber am Anfang der Wikileaks-Zeit ihre Leser noch dazu auf, über die veröffentlichten Werke zu diskutieren und diese zu bearbeiten, gehen sie schon bald dazu über, Dokumente zu veröffentlichen, die laut ihren eigenen Angaben die Originalitätsprüfung schon bestanden haben. Veröffentlichtes Material über kenianische korrupte Politiker, Einsichten in Bankdaten aus Steuerparadiesen und Mitgliederlisten rechtsextremer Organisationen, wie der British National Party, sowie Auszüge aus den Guantánamo-Handbüchern , in denen zu lesen ist, wie Gefangene der US-Armee behandelt wurden, stießen zunächst nicht auf viel Anklang. Die Medien erwähnten diese Themen nur am Rande und Wikileaks war in den Anfangszeiten eher investigativen Journalisten und Insidern bekannt, da die Finanzierung des Portals ohne Spenden aus Privatgeldern kaum zu erbringen war und Gelder aus Unternehmen und Politik nicht erwünscht waren oder angenommen wurden. Die Ressourcen, die genutzt wurden, um Dokumente auf Servern zu speichern, verschlangen viel Geld, zumal es immer mehr Dokumente wurden, die den Wikileaks-betreibern zukamen. Auch die zum Schutz der Whistleblower verwendeten Verschlüsselungstechniken waren nicht umsonst und die Mitarbeiter arbeiteten zwar ohne Gehalt, ihre Reisen und ihre technischen Geräte mussten dennoch finanziert werden.

Wikileaks Enthüllung

„Collateral Murder“ ein aufsehenerregendes Video

Das Video „Collateral Murder“ (Kollateralmord), das Wikileaks am 5.April 2010 zur Veröffentlichung freigab, zeigt die Aufnahme eines drei Jahre zuvor stattfindenden Angriffs eines US-Kampfhubschraubers über Bagdad, bei dem zehn bis zwölf Zivilsten umgebracht wurden, von denen zwei Journalisten waren. Ihre Kameras wurden fälschlicherweise für Waffen gehalten. In den Stimmen der Besatzung ist deutlicher Zynismus zu hören als sie über das Geschehen reden. Vor dem Schnitt und Bearbeitung des Videos und Hinzufügen von Fotos der hinterbliebenen Familienangehörigen der Opfer, waren einige Journalisten zur Recherche von Wikileaks nach Bagdad abgesandt worden, um vor Ort mit Augenzeugen zu sprechen. Nachdem dieses Video online ging, hatte Wikileaks einige Anhänger mehr und nachdem Assange und seinen Gefolgsmännern sogar Ehre zuteilwurde, indem man ihnen Preise verliehen hatte, war Wikileaks nicht nur der Öffentlichkeit bekannter sondern erhielt zudem die dringend notwendigen Spenden, ohne die ein Fortbestehen der Plattform unmöglich gewesen wäre.

Für Assange wird die Todesstrafe gefordert

Die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten im Jahr 2010, in denen es um den Irak- oder Afghanistan-Krieg geht, lässt die Kritik von Politikern aus Ländern wie USA, Frankreich und Australien laut werden. Assange droht sogar eine Anklage von Seiten der amerikanischen Regierung, die ihre nationale Sicherheit als gefährdet ansieht. Großes Aufsehen auch in Deutschland erregte die Veröffentlichung von ungefähr 250.000 Staatstelegrammen (Depeschen) aus der US-Botschaft. In diesen höchst geheimen Dokumenten wird auch über Politiker in Deutschland berichtet, wie zum Beispiel Angela Merkel, die das Attribut „selten kreativ“ erhält oder Außenminister Guido Westerwelle, der als „inkompetent und eitel“ bezeichnet wird. Um Whistleblower einzuschüchtern und weitere Enthüllungen zu verhindern, wurde von diversen Geheimdiensten das Gerücht über eine Verbindung von Wikileaks zur CIA (Central Intelligence Agency) gestreut. Auch technische Probleme der Plattform tauchten immer häufiger auf, vermutlich weil immer wieder Hacker versuchten, auf die Server zuzugreifen und sie zu blockieren, was ihnen auch ab und zu gelang, ebenso wie die Blockierung einiger URL-Adressen. Die finanzielle Unterstützung von Wikileaks sollte boykottiert werden, indem Unternehmen wie VISA, PayPal und Master Card eine Verweigerung der Zusammenarbeit aussprachen. Alles gipfelte in der Forderung der USA und einiger Politiker und Journalisten, Assange solle mit dem Tode bestraft werden.

Wikileaks Abhören

Aufruhr bei Wikileaks

Ende des Jahres 2010 bricht zwischen den Mitarbeitern von Wikileaks Streit aus. Im Brennpunkt stehen die Führung des Unternehmens durch Assange und ein Zweifel an den Sicherheitsmaßnahmen, wie sie im System eingehalten werden.

Dadurch wanden sich einige Wikileaks-Mitarbeiter ab und verließen das Unternehmen. Einer davon war Daniel Domscheit-Berg, der in der Folge das Projekt openleaks ins Leben rief. Ein großer Fehler unterlief Wikileaks kurze Zeit später, als Botschaftsdepeschen veröffentlicht wurden, deren Bearbeitung noch nicht abgeschlossen war und die Namen trugen anhand derer der Informant nicht mehr anonym gehalten werden konnte. Für diese Informanten besteht nun die Gefahr der Todesstrafe, mit der die USA jeden Verräter verurteilen. Durch diesen Vorfall gerät Wikileaks in negative Schlagzeilen und die Zahl der Whistleblower nimmt rapide ab aus Angst vor weiteren Fehlern. Auch die Medien zeigen nicht mehr so großes Interesse an der Plattform wie zuvor. Julian Assange dagegen droht ein Gerichtsverfahren aus Schweden, wo er wegen Vergewaltigung zweier Frauen angeklagt wird. Dies schieben Anhänger Assanges auf ein politisches Komplott gegen ihn. Assange widerspricht bis heute diesen Anschuldigungen. Nach seiner Flucht aus Schweden suchte er Unterschlupf in London, nachdem er trotz einiger Berufungsverhandlungen dennoch nach Schweden ausgeliefert werden sollte, suchte er Schutz in der ecuadorianischen Botschaft in London. Ihm wurde am 16.August 2012 politisches Asyl in Ecuador gewährt.

Nach Wikileaks gab es kaum brauchbare Alternativen

Domscheit-Berg´s „openleaks“ hat nach Anfangsschwierigkeiten noch nicht richtig Fuß gefasst, ebenso wie das Portal Brusselleaks, das sich schon wieder aufgelöst hat nachdem es sich mit der EU-Administration befassen wollte. Seit September 2013 haben Whistleblower die Möglichkeit, ihre Geheimnisse an das niederländische Portal Publeaks weiterzugeben, die es anonym an andere Medien verschicken, dasselbe Prinzip hatte openleaks angewandt. Dieser Plattform gehören bisher fast 50 Medienunternehmen an. Doch auch andere Medien bieten Informanten inzwischen an, Dokumente hochzuladen und ihre Anonymität zu wahren.

Dazu gehören unter anderem die „Zeit“ online und der Fernsehsender Al Jazeera. Von Journalisten werden die Berichte dann aufgewertet und mit Zusätzen wie Tabellen, Bildern und Texten versehen, die dazu passen.

Heike Leonhardt Verfasst von:

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