Überfischung der Ozeane

Noch vor 60 Jahren schien es einen unerschöpflichen Bestand von Speisefischen in unseren Weltmeeren zu geben, aber wir Menschen haben es erreicht, dass es nur noch einen kleinen Teil der früheren Vielfalt an eben diesen Fischen gibt. Manche Arten von Speisefischen gibt es nur noch sehr selten oder sie sind ganz ausgestorben. Nur in wenigen Ländern wird durch kontinuierliches Fischereimanagement erreicht, dass sich einige Meeresbewohner wieder erholen können.

Der Reichtum der Ozeane ist begrenzt

Die Befürchtung, dass die Fischbestände aus dem Meer eines Tages ausgeschöpft werden würden, war noch in den Jahren vor 1950 undenkbar. Als der Zweite Weltkrieg vorbei war und der Fischfang immer industrieller wurde, glaubte man noch, unendliche Fischbestände würden reichen die Weltbevölkerung trotz ihres stetigen Anwachsens zu ernähren. Es gäbe doch genug Fische in den Ozeanen, die man einfach nur fangen und auftischen musste. Doch der Fischfang, der bis dahin hauptsächlich in den Fischereigebieten im Norden der Weltkugel stattfand, breitete sich durch den Fortschritt in Technik und Industrie weltweit aus. Die Technik der hochsensiblen 3D-Sonargeräte, der Satellitennavigation und der digitalen Karten machte es möglich, auf den Meter genau zu fischen. Die dafür notwendigen Fangschiffe wurden immer größer und mit ihnen die Fangnetze, die nun nicht mehr an den scharfen Kanten der Riffe und Wracks im Wasser kaputt gehen, sondern sehr präzise ausgeworfen werden konnten.

Selbst die Fische in der Tiefsee, die früher sicher waren vor den Fischern, können nun durch die neue Technik und Ortung aufgespürt und mit Netzen, die fast 2000 Meter in die Tiefe gelangen, gefangen werden.

Die Gier nach Fisch

Heutzutage werden viermal so viele Fische in den Ozeanen gefangen wie noch in den 1950er Jahren. Das bedeutet einen Anstieg von ca. 13 Millionen Tonnen auf ungefähr 53 Millionen Tonnen im Jahr 2011. Diese Menge ist rechnerisch noch höher, wenn die Garnelen, Tintenfische und Muscheln dazugerechnet werden würden. Die Welternährungsorganisation (FAO) geht sogar von einer Menge von ca. 80 Millionen Tonnen jährlicher mariner Fangmenge aus, die sich durchschnittlich in den letzten zwanzig Jahren ergab. Die Resonanz dieser enormen Fangmengen ist ein Rückgang des Bestandes der Raub- und Speisefische wie Hai, Schwertfisch und Thunfisch um ca.90 Prozent. Die Zeugung der Nachkommen ist gestört, da die größeren Altfische meist schon gefischt wurden.

Fast 50 % der Fischbestände sind laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) schon bis zu ihrer biologischen Grenze befischt und fast 30% gibt es schon gar nicht mehr. In Europa ist die Situation ähnlich bzw. noch schlimmer.

Fischfang mit zweifelhaften Praktiken

In vielen Gegenden wird noch gefischt wie zu Urzeiten, obwohl die Techniken zumeist einen Fischfang erlauben, der etwas mehr Rücksicht auf die Natur nimmt. Wenn das Fangnetz zu fein ist, ist die Sterberate der Jungfische, die als sogenannter Beifang oft mit eingefangen werden, sehr hoch. So können die Fische nicht mehr weiter wachsen, und Nachkommen zeugen, da sie an Bord sterben, ohne aussortiert zu werden. In Schleppnetzen, die am Meeresgrund entlang gezogen werden, verfangen sich oft Seesterne, Krabben oder andere Meerestiere, die gar nicht gefangen werden sollten. Oder es sterben Muscheln durch die Rollen oder Metallketten der Netze, die eigentlich am Boden lebende Fische aufscheuchen sollten. Die Nordsee wird in manchen Gebieten mehrmals jährlich so durchpflügt, wobei Bereiche in denen Jungfische sich die erste Zeit aufhalten, um zu wachsen und sich vor größeren Fischen zu verstecken, zerstört werden. Seegraswiesen und Kaltwasserkorallenriffe bieten so keinen Schutz mehr für sie. Es ist erschreckend zu hören, dass fast ein Drittel jedes Fanges ungenutzt (und meist tot) wieder über Bord geworfen wird. Beim Fang von Scholle, Krabben und Seezungen geht man sogar von weit als der Hälfte des Fanges aus.

Diese Zahlen sind allerdings nur Schätzungen der Wissenschaftler, da die Staaten bei den Angaben ihrer Fischbestände und Fangmengen wohl eher falsch und lückenhaft informieren.

Hoffnung auf Rückbesinnung

Da es kaum mehr wenig befischte Gebiete gibt, können Fischer auch nicht mehr auf weiter entfernte Fischbestände ausweichen, um ihre Fangnetze auszuwerfen. Das UN-Umweltprogramm Unep befürchtet das Ende der kommerziellen Fischerei schon bis in ca.35 Jahren, falls kein Umdenken stattfindet und Fischbestände eine Schonung bekommen. Als Vergleich: wir würden längst in einer baumlosen Wüste wohnen, wenn wir mit unseren heimischen Bäumen so verfahren würden.

Da langsam auch in der Politik und in der Fischereiindustrie die Ausmaße der Überfischung deutlich anerkannt werden, sind inzwischen seit ein paar Jahren die Schutzmaßnahmen erhöht worden. Deutlich wird das in der Tiefseefischerei: da die Fische, die ihren Lebensraum dort haben, sich sehr langsam vermehren und noch dazu durch die Schleppnetze am Meeresgrund dieser Lebensraum immer weiter zerstört wurde, müssen Schutzgebiete eingerichtet werden.

Neuseeland und Australien sind Vorreiter dafür und haben die Grundschleppnetzfischerei schon verboten und das Fischen in Tiefseegebieten stark eingeschränkt.

Der Plan der EU besagt in der Fischereireform (2013), dass der Beifang in EU-Gewässern um 25 % gesenkt werden sollte (von 30 auf 5) und ein Überleben mancher Fischarten gesichert werden muss, indem die Bestände auf ein Niveau gebracht werden, die das gewährleistet. Die Festsetzung der Fangquoten auf längere Zeit soll bewirken, dass die Fischerei wieder nachhaltig wird und die Tiere eine echte Möglichkeit bekommen, sich zu erholen.

Die positive Folge dieser Beschlüsse ist jetzt schon in der Nordsee sichtbar, wo laut einer Studie des Hamburger Thünen-Instituts schon 18 Fischarten ein sehr gutes Niveau erreicht haben, was bedeutet, dass die Population sich auf natürliche Weise wieder ersetzt.

Im Vergleich zum Jahr 2001 sind das 13 mehr Fischarten, zu diesen gehören Hering, Seelachs und Scholle.

Heike Leonhardt Verfasst von:

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