Resistente Keime

In und auf unserem Körper sind wichtige Bakterien angesiedelt. Trotz ihres negativen Rufes, brauchen wir diese Keime, die sich auf unserer Haut, auf unseren Schleimhäuten und vor allem in unserem Darmsystem befinden, denn sie führen eine wichtige Schutzfunktion aus. Dennoch können Bakterien Krankheiten auslösen, indem sie sich in unsere Blutbahn einschleichen oder das Gleichgewicht der Mikroorganismen in unserem Darmsystem nicht mehr ausgewogen ist und es zu Magen-Darm-Erkrankungen mit Durchfall und Erbrechen kommt, oder zu entzündlichen Prozessen, die eine Blutvergiftung auslösen können.

Falsche Anwendung von Antibiotika

Die Erfindung des Antibiotika (lateinisch „gegen“ das „Leben“) bewirkte, dass gegen bakterielle Infektionen mit Medikamenten vorgegangen werden konnte. Die Einhaltung von Hygienemaßnahmen, um die Keimverbreitung einzudämmen, schien nicht mehr so notwendig zu sein, da großzügige Gabe von Antibiotika an die Menschen, eine Verbreitung der Infektion verhinderte. Der Umgang mit Antibiotika ist auch heute noch nicht zweckentsprechend, da die Zeiträume, in denen das Medikament zur Behandlung eingesetzt werden sollte, nicht wie vorgeschrieben eingehalten werden, oder Antibiotika auch bei Virusinfektionen verschrieben wird, obwohl es da keinen Nutzen ausüben kann, da Viren dadurch nicht bekämpft werden. Stattdessen werden immer öfter vorbeugend Antibiotika in der Landwirtschaft oder in der Tierhaltung eingesetzt. Das alles hat zur Folge, dass viele Bakterien längst resistent gegen Antibiotika geworden sind und sich auf den Wirkstoff eingestellt haben, sodass er ihnen nichts mehr anhaben kann. Die Resistenz der Keime gegen Antibiotika kann bewirken, dass Infektionen tödlich enden. Da in Zukunft wohl kaum neue Antibiotikaarten entwickelt werden, die Erreger aber immer öfter multiresistent reagieren, wurde der Begriff Post-Antibiotika-Ära gebildet. Das bedeutet, dass in Zukunft eine Zeit des weitgehenden Wirkungsverlustes von antimikrobiellen Medikamenten unsere Welt bedrohen kann.

Krankenhauskeime sind oft multiresistent

Es ist kein Geheimnis mehr, dass ausgerechnet in Krankenhäusern, wo Patienten gesund werden sollten, eine Anhäufung von multiresistenten Keimen zu finden ist. Viele alte und schwache Menschen, deren Immunsystem nicht mehr so stabil reagiert, werden zusätzlich zu ihren Erkrankungen noch von multiresistenten Krankenhauskeimen angegriffen. Das menschliche Fehlverhalten ist der Grund, dass sich die Keime dort rasend schnell vermehren können. An Orten wie Krankenhäusern ist Hygiene das oberste Gebot, weshalb Personalschulungen in diesem Gebiet Pflicht sind. Dazu bestehen internationale Richtlinien. Wenn sich die Menschen allerdings nicht daran halten, steht einer Vermehrung der Keime nichts mehr im Wege.

Forschung gegen Keime

„Staphylococcus aureus“ – ein sehr anpassungsfähiges Bakterium

Die „goldene Beere“ bzw. „Kugel“, das Bakterium Staphylococcus aureus, gilt als der Erreger des „goldgelben Eiters“. Es ist sehr anpassungsfähig und wird von vielen Medizinern gefürchtet, da es durch seine multiresistente Fähigkeit oft Menschen befällt und schwer erkranken lässt. In jedem Krankenhaus bzw. Uni sollten einige Antibiotika gegen dieses Bakterium unter Verschluss gehalten werden, die nur in Notfällen vom Oberarzt verabreicht werden dürfen. Sie gelten als letzter Rettungsanker, wenn nichts anderes mehr hilft, weswegen ein sorgsamer Umgang damit Voraussetzung sein sollte. Die Erforschung und Herstellung von Antibiotika verschlingt enorme Kosten, wofür jedes größere Krankenhaus fast ein Fünftel seines Haushaltsplanes einsetzt. Für den Fall, dass keine Antibiotikaart mehr hilft, gibt es nur eine Möglichkeit, die allerdings von Patient zu Patient abgewogen werden muss. Ein Verbreiten der nicht-resistenten Bakterien wird gefördert, da diese ein schnelleres Wachstum haben und gegen die multi-resistenten Erreger kämpfen können. Das Wachstum der resistenten Keime ist verlangsamt, da sie in ihrer DNA bis zu 16 verschiedene Resistenzen weitergeben müssen, was Zeit kostet. Ob diese Methode angewendet werden kann, kommt stark darauf an, wie sehr der Patient schon geschwächt ist.

Antibiotika sind natürliche Kampfstoffe

Diese natürlichen Kampstoffe sollen bewirken, dass die Bakterien sich nicht weiter vermehren können. Dazu zerstören sie die Zellwände des Bakteriums oder verhindern im Inneren eine Zellteilung. Am Anfang der Forschung wurden lediglich Pilze zum Kampf gegen Bakterien verwendet, inzwischen gibt es auch schon Bakterien, die gegen Bakterien ankämpfen. Die Wirkungsweise von Antibiotika verdanken wir der Tatsache, dass diese ihre Giftstoffe nach außen abgeben, was ein Vorteil gegenüber Stoffen aus Pflanzen oder Tieren ist, deren Gift aus den Zellen erst ausgelöst werden muss.

Resistente Keime

Penicillin galt als Wundermittel gegen Keime

Im Jahr 1928 entdeckte der Schotte Alexander Flemming die Wirkungsweise von Penicillin, einem Schimmelpilz. Nachdem er aus dem Urlaub zurückkam entdeckte er den Schimmelpilz, der sich über seine zuvor angelegten Bakterienkolonien gelegt hatte, und bewirkte, dass sich das Bakterium „Staphylococcus“ nicht mehr weiter vermehrt hatte. Die Entdeckung des Pinselschimmels Penicillium war nach 20 Jahren Forschung für Fleming ein Wunder. Er selbst hatte für weitere Forschung allerdings kein Geld und die Fachwelt zu wenig Interesse. Erst 11 Jahre später, als händeringend nach einem Wirkstoff gesucht wurde, der infizierten Soldaten im Krieg half, erinnerten sich die britischen Wissenschaftler Howard Walter Florey und Ernst Boris Chain an Flemings Arbeiten und setzten ihre Finanzen für die Weiterforschung ein, wodurch bereits fünf Jahre später ein Wirkstoff zum Einsatz kam, der den Alliierten erfolgreich verabreicht wurde. Die Lorbeeren für sein Werk erhielt Fleming zusammen mit Chain und Florey in Form des Nobelpreises für Medizin im Jahr 1945.

Danach wurde Antibiotika in Massen hergestellt und wirkt bis heute gegen bakterielle Infektionen wie: Borreliose, Tripper, Lungenentzündung, Syphilis, Cholera, Typhus, Diphterie und Tuberkulose. Die Pest gibt es in Europa gar nicht mehr. Das außergewöhnlich der bakteriellen Erreger ist ihre Inkubationszeit, das bedeutet, selbst wenn der Körper schon von Erregern befallen ist, dauert es bis zum Ausbruch der Krankheit so lange bis eine bestimmte Anzahl von Erregern sich vermehrt hat, um dann mit ihrem Gift zuzuschlagen. Der Körper kann dann erst anfangen, sich zu wehren, was schwierig ist, da die Erregerzahl stark zugenommen hat.

 

Heike Leonhardt Verfasst von:

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