Invasionsbiologie

Alle Tiere und Pflanzen, die es in der Welt gibt, haben als einziges Ziel bzw. Daseinszweck, ihre Vermehrung. Um sich noch dazu einen größeren Lebensraum zu schaffen, sind Pflanzen mit Samen ausgestattet, die entweder irgendwo anhaften oder fliegen bzw. schwimmen können und auch Tiere können schwimmend, fliegend oder auf ihren Beinen neue Reviere erobern und besiedeln. Für manche Ökosysteme bedeutet es eine Störung, wenn plötzlich neue Pflanzen oder Tiere ein Teil von ihnen werden und sie müssen sich neu organisieren. Naturschützer beobachten das ganze sehr kritisch und bezeichnen die Invasionen neuer Arten eher als Problem.

Kolumbus – 1492 Amerika

Schon immer hielten die großen Ozeane, die trockenen Wüstengebiete und viele Gebirgsketten die Tier- und Pflanzenarten davon ab, sich über ein gewisses Gebiet hinweg auszubreiten. Irgendwann jedoch wurden auch diese Grenzen überbrückt, indem der Mensch neue Straßen angelegt hatte, oder durch Kanäle und Brücken neue Wege schuf, die nicht nur vom Menschen genutzt wurden sondern über die auch fremde Organismen in neue Gebiete kamen. Vor allem als 1492 Kolumbus Amerika entdeckte und in der Zeit danach ein globales Verkehrsnetz entstand, wo Schiffe, Flugzeuge und Autos lange Distanzen zurücklegen konnten, schlichen sich einige blinde Passagiere ein, die nun neue Gebiete besiedelten. Die Ausbreitung fremder Pflanzen und Tiere in neuen Gebieten ist seit 1492 verstärkt zu beobachten. Bis zu diesem, für die Wissenschaft als Zeitenwende zählendem, Jahr eingewanderte Tiere heißen Archäozoen und Pflanzen Archäophyten. Alles, was sich zeitlich danach angesiedelt hat, wird Neozoen (Tiere) und Neophyte (Pflanzen) genannt. Für Österreich sind ca. 500 Neozoen dokumentiert, zu denen unter anderem der Höckerschwan, der Fasan und der Marderhund gehören.

Neophyte sind es ca. 1120 Arten, von denen sind ungefähr 20 als potentiell invasiv eingestuft.

Neophyten

Die Ausbreitung von Neophyten hängt stark davon ab, wie anpassungsfähig sie sind und ob sie in ausreichendem Maße Samen produzieren, um ihre Art langfristig anzusiedeln. Zu diesem Zweck sollten die Samen eine hohe Keimfähigkeit haben und im besten Fall schwimm- oder flugfähig sein. Doch nicht nur auf natürlichem Wege erschließen sich Neophyten ihre neue Lebensräume, sondern oft auch bewusst oder unbewusst durch die Hilfe des Menschen. Absichtlich eingeführt wurden unter anderem zur landwirtschaftlichen Nutzung die Kartoffel und der Mais, zum Anbau als Forstpflanze die Robinie und die Douglasie, zur Nutzung für Heilzwecke die Kamille und einfach nur zur Gartenzierde die Goldrute und das Springkraut. Landen Gartenabfälle auf dem Entsorgungshof können sie sich auch von dort aus außerhalb der heimischen Gärten verbreiten. Die unabsichtlich eingeführten Arten kommen oft in Bahnhöfen oder Häfen bei uns an, indem sie unbewusst mit Handelsgütern aus anderen Ländern eingeschleppt werden.

Einige der Neophyten sind invasiv und verdrängen bei ihrer rasanten Ausbreitung die bisher ansässigen Pflanzen, wodurch deren Lebensraum massiv gestört wird und das Gleichgewicht des Ökosystems ins Wanken gerät. In Tiefen der Karibik breitet sich seit ein paar Jahren auf dem Meeresboden die Algenart Caulerpa taxifolia aus, die das Seegraswiesen dort verdrängt und mit ihnen die die Meerestiere, die sich bisher dort aufhielten oder ernährten.

In Teilen Europas verbreitet sich der Riesenbärenklau, der ein großes Problem für die heimische Flora darstellt und noch dazu bei Menschen gesundheitliche Probleme wie Juckreiz und Rötungen auslöst, deren Wunden nur langsam heilen und Narben hinterlassen.

Die Neozoen erobern neue Gebiete

Neozoen werden oft in Handelswaren mit eingeführt und gelangen in Säcken und Containern oder auch angeheftet an Schiffsteilen zu uns. Manch andere finden ihren Weg über Brücken oder Kanäle in neue Gebiete. Einige werden jedoch ganz offiziell vom Menschen zum Beispiel zur Zucht oder zu Jagdzwecken eingeführt und hier beheimatet, dazu gehören unter anderem das Mufflon, der Waschbär oder die Regenbogenforelle.

Die bewusste oder unbewusste Einfuhr von Neozoen kann oftmals das bisher bestehende Ökosystem durcheinander bringen, weshalb in manchen Fällen versucht wurde, Fressfeinde einzusetzen, um die invasiven Tiere zu bekämpfen. Das funktioniert nicht immer so, wie die Behörden sich das vorgestellt haben, da sich manche eingesetzten Fressfeinde nicht um die angebotene Beute scheren sondern selbst sehr schnell zur Plage werden und damit wiederum die einheimische Tierwelt bedrohen. Durch die idealen Lebensbedingungen, die manche invasive Tierart hier findet, beginnt eine rasante Vermehrung, deren Folge oft wirtschaftliche Schäden mit sich zieht. Die bewusste Einsetzung von Damhirsch und Fasan allerdings brachte keine Probleme mit sich. Die Zerstörung oder Invasion der bestehenden Biotope sehen die Wissenschaftler meist kritisch als große Gefahr an, da vor allem durch die Globalisierung über alle Verkehrswege eine Zuwanderung fremder Arten möglich und kaum zu verhindern ist. Dabei darf man allerdings nicht außer Acht lassen, dass die Natur sich schon immer gewandelt und entwickelt hat und sich neuen Bedingungen anpassen kann, da sie in ihrem Gefüge weder starr noch stabil ist.

Kampf gegen eingeführte neue Arten

Die Zollbehörden finden in den Säcken und Kartons, die aus allen Ländern in Häfen, Flughäfen oder Bahnhöfen, immer mal wieder Tiere, die absichtlich oder unabsichtlich darin enthalten sind. Einige davon werden nie entdeckt und können nach ihrer Ankunft sofort mit der Besetzung neuen Areals beginnen und richten damit Schäden an. Kann man ihnen nicht durch Auf- oder Absammeln Herr werden, bleiben zur Bekämpfung der ungewollten Arten nicht viele andere Möglichkeiten als zur Chemiewaffe zu greifen. Doch dadurch werden auch die einheimischen Arten bedroht, die ja eigentlich von Naturschützern geschützt werden sollten. Es ist tatsächlich so, dass die meisten Invasoren nicht mehr vertrieben werden können, da dafür zu viel Geld benötigt würde und die Anstrengungen enorm wären.

Einzig in Gebieten wie Inseln bestehen gute Chancen zur Vertreibung der schädlichen Eindringlinge, da die Fläche nach außen begrenzt ist.

Neue Arten und die Auswirkungen des Klimawandels

Eine zusätzliche Frage, die sich Forschern immer wieder stellt, sind die Auswirkungen der sich ändernden Umweltbedingungen. Inwieweit haben diese Einfluss auf die Entwicklung der fremden Tier- und Pflanzenarten? Kann es sein, dass durch die Änderung von Sonneneinstrahlung, Salzgehalt, Wasservorkommen und anderen Folgen der globalen Erwärmung eine Vermehrung der Einwanderer ungünstig überhandnimmt? Die Prognose einiger Biologen führt dahin, dass es in ein paar Jahren nur noch einige dominante Arten gibt, die sich international ausbreiten. Einen sicheren Blick in die Zukunft kann niemand abgeben.

Auch die Folgen eines Aufeinandertreffens zweier Arten, deren Begegnung vor der Globalisierung nie möglich gewesen wäre, sind nur Spekulationen.

Heike Leonhardt Verfasst von:

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