Gentechnik

Der Mönch Gregor Mendel hat im 19.Jahrhundert den Grundstein für die Vererbungslehre gelegt, als er anhand von Experimenten an Pflanzen, wie zum Beispiel Erbsen, herausfand, wie sich Merkmale wie Form und Farben weitervererben. Doch bei all den Möglichkeiten, die sich seitdem ergeben haben, um in die Pflanzen- oder Tierwelt einzugreifen, wie das geklonte Schaf „Dolly“ zeigt, bleibt manchmal die Ethik aus dem Spiel, da sich den Wissenschaftlern zu viele Reize bieten, neue Wege zu entdecken.

Gentechnik – angewandte Genetik

Die Genetik hatte ihren Anfang, als der Augustinermönch Gregor Johann Mendel im Jahr 1865 mit der Kreuzung verschiedener Erbsensorten die Erforschung der Vererbungslehre begann. Alles was seitdem in dieser Richtung geschehen ist, schuf den Wissenschaftszweig der Gentechnologie, die in aktiver Weise die Veränderung des Erbguts von Lebewesen beinhaltet. Um dies zu bewerkstelligen, musste zunächst die Lehre der Genetik ausführlich erforscht werden. Im Jahr 1929 entdeckte der Forscher Phoebus Levene den Erbinformationsträger Desoxyribonukleinsäure (DNS), der in allen Lebewesen zu finden ist. Doch es vergingen noch 24 Jahre bis die Elite der Wissenschaftler diese Aussage von Levene ernst nahm, da diese durch James Watson und Francis Crick bestätigt wurde, als sie ein dreidimensionales Doppelhelix-Modell anfertigten und dadurch den DNS-Aufbau darstellten. Den Gen-Code entschlüsselt hat Anfang der 60er-Jahre Marshall Nirenberg, der sich als Biochemiker mit diesem Thema beschäftigte. 1965 zeigte die Forschung von François Jacob und Jacques Monod die Möglichkeit der An- bzw. Abschaltung von Genen. In der Schweiz wurden fast gleichzeitig die Restriktionsenzyme (Genscheren) von Werner Arber erforscht. Der Molekularbiologe fand heraus, was die Zerteilung von DNS an gewissen Stellen bewirkt.

All diese Erkenntnisse über die Erbinformationsträger zusammen, ergaben nun die Möglichkeit, in die Erbsubstanz einzugreifen und diese zu verändern.

Genentikforschung

Ein neuer Wissenschaftszweig – Gentechnik

Die erste „rekombinante“ DNS entstand durch das Einsetzen einer Frosch-DNS in ein Bakterium, als 1973 die Biochemiker Stanley Cohen und Herbert Boyer durch Nutzung der Genscheren diese Übertragung ermöglichten. Die Wirtszelle, in die diese neue DNS eingebracht wurde, war ebenfalls ein Bakterium, das durch das Einsetzen zur Produktion eines Proteins angeregt wurde, dessen Auslöser aus den Erbinformationen des anderen Genes kam. Dies war der erste erfolgreiche Genversuch. Die Forscher erhofften sich aus diesem Experiment die Möglichkeit, Bakterien zur Produktion von Antibiotika anzuregen.

Gegenstimmen und Protest in der Gentechnik Diskussion

Ob die Manipulation von Erbeigenschaften und die Übertragung von Erbinformationen von einem auf den andren Organismus ethisch vertretbar sind, wagten erste Kritiker vehement zu bezweifeln. Der größte Kritiker war damals der Biochemiker Paul Berg, der es schaffte ein Stillhalteabkommen zu fordern, was eine monatelange Unterbrechung jeglicher Forschungen international mit sich brachte. Obwohl Berg selbst bei der Erforschung der Genscheren mitwirkte, wollte er auf die Risiken hinweisen, die die Gentechnik mit sich brachte. Erst 1975 wurden während einer Konferenz in Kalifornien (Asilomar) Gesetze zum Umgang mit Gentechnik erlassen. In diesen wurde vorgeschrieben, dass Krebsgene vorerst aus den Versuchen ausgeschlossen sein sollten und gentechnisch veränderte Organismen nicht freigesetzt werden.

Doch schon ein paar Jahre später wurden Stimmen laut, die meinten die Risiken seien inzwischen kontrollier- und abwägbar.

Ökologie Genetik

Kommerzielle Nutzung der Gene

Robert Swanson und Helmut Boyer waren die Gründer der Firma „Genentech Inc.“, deren Aufgabe die Biotechnologie war, und die sich schon 1976 mit dem Handel von Genen beschäftigte. Ihr erstes „Produkt“ war 1982 ein Humaninsulin, welches gentechnisch produziert wurde, nachdem die Firmengründer vier Jahre zuvor eine Möglichkeit gefunden hatten, Mikroorgansimen zur Produktion von Insulin anzuregen. Dafür nutzten sie die neuen Gentechnikmethoden zur Umwandlung der Organismen. Vier Jahre später wurden die ersten gentechnisch veränderten Pflanzen im Freiland eingesetzt, und im Jahre 1988 wurde das erste Mal die Erbinformation einer Maus verändert und das Patent auf ein transgenes Tier erteilt. Diese Maus diente der Erforschung von Tumoren, da sie überdurchschnittlich oft an Krebs erkrankte. Den Amerikanern gelang es 1989 erstmalig, Fremdgene auf Körperzellen eines Menschen zu übertragen. Dazu nutzten sie als Träger der Gene Viren.

1990 gilt als das Gentechnik-Jahr. Damals wurde das Gentechnikgesetz erlassen, in welchem die Nutzung der Gentechnik und die Verhinderung der damit verbundenen Gefahren geregelt wurden.

Ungefähr zur selben Zeit war es amerikanischen Ärzten zum ersten Mal möglich, eine Korrektur an krankhaften Zellen eines Patienten vorzunehmen und die gesunden Zellen wieder einzusetzen. Die Gentherapie hatte dadurch ihren ersten Erfolg zu verzeichnen. Die im selben Jahr gegründete „Human Genome Organisation“ (HUGO), der 1000 international zusammengewürfelte Wissenschaftler angehörten, machten sich die Entschlüsselung des kompletten menschlichen Erbgutes zum Ziel, was bis im Jahr 2003 abgeschlossen sein sollte. Diesen Erfolg konnten sie tatsächlich verzeichnen, es gelang ihnen im vorgeschriebenen Zeitraum. Auf der Konferenz, die zum Anlass von „25 Jahren nach Asilomar“ stattfand, war es wiederum Paul Berg, der Kritik verlauten ließ an der Kommerzialisierung der Gentechnik.

Gentechnik: nicht mehr wegzudenken

Im Bereich der Nutzpflanzen verzeichnetet die USA im Jahr 1994 ihren ersten Erfolg, als sie die transgene Anti-Matsch-Tomate auf den Markt brachten. Gentechnisch veränderter Mais und Soja wird seit 1996 großflächig angebaut und vermarktet. Zwei Geschichten bleiben den meisten Menschen gut in Erinnerung: 1996 wurde das Schaf „Dolly“ geboren, das erste geklonte Lebewesen der Welt. Drei Jahre später verstarb der erst 18-jährige Jesse Gelsinger aus Arizona als erstes Opfer der Gentherapie. Von den über 2500 Biotechnik-Unternehmen, die es im Jahr 2000 international gab, waren rund 400 an der Börse eingeschrieben. Ende des Jahres 2000 fand in Nizza der Europäische Gipfel statt. In der am 7.12.2000 verkündeten „Charta der Grundrechte“ wurde im Kapitel über die Menschenwürde ein absolutes Verbot des reproduktiven Klonens von Menschen ausgesprochen, was bedeutet, dass die „Produktion“ von Personen, die das gleiche Erbgut tragen, nicht erlaubt ist. Das Klonen menschlicher Embryonen zum Zwecke der Forschung duldet das britische Oberhaus seit 22.Januar 2001. Inzwischen leben wir mit dem Wissen, dass ein Teil der landwirtschaftlich angebauten Pflanzen gentechnisch verändert wird und auch bei der Herstellung von Medikamenten die Gentechnik Einzug gehalten hat. Wie die Verbraucher auf immer mehr gentechnisch veränderte Lebensmittel reagieren, wird sich darauf auswirken, inwieweit die Gentechnik in diesem Bereich ausgeweitet wird.

In Frankreich zumindest erreichten Proteste im Jahr 2008, dass keine gentechnisch veränderten Pflanzen mehr zum kommerziellen Nutzen angebaut werden.

Heike Leonhardt Verfasst von:

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